Gemeinsam Für #ZukunftBildung – Forderungspapier

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Vorwort

Unser Bildungssystem steht vor riesigen Herausforderungen: Seit der Pandemie haben immer mehr
Lernende mit Zukunftsängsten, Stress und Depressionen zu kämpfen – 40% der Lernenden leiden
aufgrund von zu hohem Stress unter psychischen Belastungen. Deutsche Schulen sind nicht
ausreichend digitalisiert, wir arbeiten mit Tafelkreide statt Whiteboardstiften. Der Fachkräftemangel
trifft auch das Klassenzimmer: Lehrkräfte, Sozialarbeitende und Schulpsychologen fehlen, mit ihnen
auch ausreichende Unterstützung für Lernende. Unterrichtet wird wie vor 50 Jahren, wir setzen auf
verstaubte statt innovative Unterrichtsmethoden. Rechtsextremismus und Diskriminierung machen
vor Schultoren keinen Halt und führen zu Gewalt auf dem Pausenhof. Aufstieg durch Bildung? Von
wegen, der sozioökonomische Hintergrund bestimmt noch immer den Bildungserfolg.


Diese Liste könnte nahezu endlos fortgesetzt werden, aber es steht fest: Wir stecken tief in einer
Bildungskrise, aktuell läuft einiges massiv schief und in den zentralen Bereichen einer modernen
Bildungspolitik hängt Deutschland dramatisch hinterher.


Immer wieder werden neue Arbeitsgruppen, Gesetzesentwürfe, Maßnahmenpakete oder Finanztöpfe vorgestellt, die uns aus dieser Lage befreien sollen. Eine Gruppe, die dabei aber fast gar nicht beachtet wird, eine Perspektive, die dabei nicht gehört wird, ist die der fast 9 Millionen Lernende in unserem Land. Während Ministerien und Verbände fleißig vor sich hin maßnahmeln, stellt sich niemand die Frage, was eigentlich Lernende, die von diesen Entscheidungen am meisten betroffen werden, wollen. Schülervertretungen sind nicht dafür da, um Nikolausaktionen und Kuchenstände zu betreiben und für Abikassen zu sammeln, sondern um Bildungspolitik durch Interessensvertretung aktiv mitzugestalten. Eine echte Bildungswende erreichen wir nur, wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen – und da sollten Lernende ganz vorne mit dabei sein.


Um den vielen Lernenden in unserem Land Gehör zu verschaffen, Ideen zu bündeln und Bildung ganz neu zu denken, lud die Bundesschülerkonferenz vom 20. bis 22. Oktober Lernende aus ganz
Deutschland zum Bildungskongress 2023 nach Berlin ein. Drei Tage lang nahmen sie an Workshops, Debatten und Diskussionen teil, vernetzten sich und tauschten sich über ihre Vision von Schule aus.
Politiker, Bildungsverbände und Jugendorganisationen brachten ihre Perspektiven in diesen
Austausch mit ein. Dieses Forderungspapier ist das Ergebnis. Es entstand unter Mitwirkung von mehr als dreihundert Lernenden basierend auf dem Grundsatzprogramm der Bundesschülerkonferenz und fordert eine radikale Bildungswende von den politisch Verantwortlichen.

  • Effektive Digitalisierung
    Der Ausbau digitaler Infrastruktur an Schulen muss drastisch beschleunigt werden. Mehr
    Tempo geht nur mit weniger Bürokratie. Vor allem regionale Ungleichheiten und
    Standortunterschiede müssen behoben werden. Zeitgleich muss digitale Kompetenz
    gleichwohl von Lehrkräften, Lernenden, aber auch Eltern erlernt werden.
  • Konsequent gegen Lehrkräftemangel
    Guter Unterricht braucht ausreichend Lehrkräfte. Die Bundesländer sollten nicht um Personal
    konkurrieren, sondern gemeinsam an einer pragmatischen Lösung arbeiten: Neben
    Übergangslösungen muss dazu der Beruf attraktiver gestaltet, das Lehramtsstudium
    reformiert und die Entlastung von Verwaltungsaufgaben umgesetzt werden.
  • Unterricht grundlegend neudenken
    Schulen brauchen die notwendige Freiheit moderne Unterrichtsmethoden einzusetzen. Hier
    betonen wir vor allem weniger Frontalunterricht, andere Unterrichtszeiten und politische
    Bildung, die Demokratie stärkt und erlebbar macht.
  • Schule für alle: Inklusion und Chancengerechtigkeit
    Barrierefreie Zugänge, inklusiver Unterricht und Chancen unabhängig vom
    sozioökonomischen Hintergrund: Bildungspolitik soll unterschiedliche Voraussetzungen
    ausgleichen. Heute mehr denn je muss Bildung für jeden ermöglicht werden – klar
    ausgerichtet gegen jegliche Form der Diskriminierung und des politischen Extremismus.
  • Lernen fürs echte Leben
    Berufsbildung ist ein zentraler Bestandteil lebensvorbereitender Schule. Dies gelingt
    insbesondere durch aktive Informationsveranstaltungen, hochqualitative Praktika und
    integrierte Berufsberatung. Dafür braucht es viel stärkere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
    und Respekt vor allen Abschlüssen sowie Berufswegen.
  • Stärkerer Fokus auf mentale Gesundheit
    Durch Pandemie und weitere Krisen sind Lernende hoher psychischer Belastung ausgesetzt.
    Schule darf vor diesem Hintergrund kein weiterer Belastungsfaktor werden, sie muss
    stattdessen bei der Bewältigung unterstützen. Die Schulpsychologie muss weiter
    institutionalisiert und mit neuen Stellen ausgestattet werden; auch hier muss der
    Fachkräftemangel angegangen werden.
  • Gemeinsam für die Zukunft der Bildung
    Wir fordern Bund und Länder auf, Bildung als parteiübergreifende Gemeinschaftsaufgabe zu
    betrachten, neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und ausreichend finanzielle
    Mittel zur Verfügung zu stellen, um allen Lernenden Deutschlands den Zugang zu bester
    Bildung zu ermöglichen. Die Politik muss das Versprechen vom Aufstieg durch Bildung
    verwirklichen und bundesweit gerechte Voraussetzungen zu schaffen.

Effektive Digitalisierung

Notwendige Digitale Infrastruktur schaffen

An vielen Schulen bundesweit fehlt es derzeit an notwendiger digitaler Infrastruktur. Vor allem
mangelt es vielerorts an Kommunikationsmöglichkeiten. Es muss in Zukunft gewährleistet sein, dass ausnahmslos alle Lernenden digital erreicht werden und digital am Unterricht teilhaben können. Des Weiteren müssen Voraussetzungen, wie beispielsweise eine Internetverbindung und
Lademöglichkeiten für alle Lernenden, zur Verfügung stehen. Außerdem müssen zielgruppengerechte Ansprechpartner an jeder Schule vor Ort zur Verfügung stehen, damit die Lehrkräfte entlastet werden und die Digitalisierung an den Schulen vorangetrieben werden kann. Die Coronakrise und die damit verbundenen Schulschließungen haben die bereits bestehenden Probleme der digitalen Infrastruktur an den Schulen der Bundesrepublik Deutschland verstärkt und aufgezeigt. In Bezug auf die Finanzierung des Digitalisierungsprozesses dürfen soziale Ungerechtigkeiten nicht verstärkt werden.
Die Beantragung der Mittel für die Anschaffung von Endgeräten muss unbürokratisch, unkompliziert und effizient gestaltet werden, um die Betroffenen schnellstmöglich unterstützen zu können.
Der digitale Ausbau muss mit einer Modernisierung der Schulgebäude einhergehen. Deshalb soll es
finanzielle Mittel für die Instandsetzung von Klassenzimmern und Lernorten sowie die Bereitstellung von WLAN geben. Wir fordern eine Priorisierung von Schulen beim Ausbau des bundesweiten Glasfasernetzes und die Schaffung eines Fördertopfes des Bundes, um die Glasfaserausstattung von Schulen zu großen Teilen zu finanzieren. Die Breitbandanbindung hängt in den ostdeutschen Flächenländern, zudem stärker hinterher als in den westdeutschen Flächenländern. Im Sinne gleichwertiger Bildung braucht es hier ein besonderes Augenmerk. Der Bund soll daher ein Zusatzprogramm für die Förderung des schnellen Glasfaseranschlusses der Schulen in den ostdeutschen Flächenländern bereitstellen. Das sind Grundvoraussetzungen für den erfolgreichen Ausbau der Digitalisierung.

Digitalisierung beinhaltet mehr als nur Endgeräte

Es müssen Medienpädagogen und Fachkräfte mit dem relevanten Know-How vermehrt ausgebildet
und Stellen bereitgestellt werden, um den Umgang mit Medien und den entsprechenden digitalen
Endgeräten nachhaltig gestalten und vermitteln zu können.
Um jeder Schule die Möglichkeit zu geben, die Digitalisierung bestmöglich und auf ihre
Voraussetzungen abgestimmt voranbringen zu können, sollte jede Schule ein eigenes Medienkonzept, basierend auf dem Rahmenkonzept des jeweiligen Bundeslandes, entwickeln. Die
gesamte Schulgemeinschaft soll bei der Erarbeitung der Medienkonzepte einbezogen werden. Die
Schulen sollen bei der Entwicklung der Medienbildungskonzepte unterstützt werden, um vor allem die Lehrkräfte nicht weiter zu überlasten. Digitale Bildung ist eine essenzielle Kernkompetenz, die
moderne Schule ausmacht. Zur Förderung dieser Kernkompetenz ist die zugehörige Infrastruktur
zwingend notwendig. Nach dem Digitalpakt-Schule sind immer noch Lücken in der Infrastruktur
gerade in strukturschwachen Regionen erkennbar. Es ist deswegen wichtig, diese erneut zu
unterstützen, damit die digitale Ausstattung nicht vom Schulstandort abhängig ist. Ein zweites
Programm, mindestens in der Höhe des ersten Digitalpaktes, welches vollständig aus Bundesmitteln finanziert wird, ist ein guter Beitrag, um das Problem gerade in strukturschwachen Kommunen zu
bekämpfen.

Medienbildung für alle Beteiligten
Damit der Umgang mit digitalen Endgeräten und Medien reibungslos und sicher ablaufen kann, ist
auch die entsprechende Kompetenz im Umgang mit diesen erforderlich. Dazu braucht es eine
verpflichtende Implementierung von Medienbildung und Kompetenzvermittlung für Lernende in die
Lehrpläne. Hierbei soll der fachgerechte Umgang mit den Endgeräten bei einem dem Alter
entsprechend eingeschränkten Funktionsumfang erlernt werden. Im Umgang mit digitalen
Lernmedien muss der pädagogische Fokus auf der Kombination aus digitaler und analoger
Medienverwendung gelegt werden. Auch die sozialen Kompetenzen dürfen dabei keinesfalls außer
Acht gelassen werden. Die Nutzung von digitalen Endgeräten sollte einen umfangreichen Bestandteil im Unterricht einnehmen. Auch eine digitale, schulartübergreifende Lernplattform ist hierfür eine gute Methode. Hier sollte nach Möglichkeit auf in den Bundesländern bereits etablierte Systeme zurückgegriffen werden.


Die Umsetzung der Visionen einer digitalen Schule von morgen kann nicht mit der Infrastruktur von
gestern gelingen. Digitalisierung darf nicht am Schultor enden, sondern soll unerlässlich im
Schulgebäude weitergehen. Digitale Kompetenz muss gleichwohl von Lehrkräften, Lernenden, aber
auch Eltern erlernt und der Prozess mitgestaltet werden. Es soll verpflichtende schulinterne
Fortbildungen im Bereich der Medienkompetenz und deren Vermittlung für Lehrkräfte geben. Hierbei ist darauf zu achten, dass alle Lehrkräfte ohne große bürokratische Aufwände, finanziell unterstützt und vor Ort Möglichkeiten bekommen, weitreichende digitale Kompetenzen zu erlernen. Hierbei braucht es eine Zusammenführung aus dem Vorhandensein von Endgeräten und der Kompetenz, diese zielorientiert nutzen zu können.

Konsequent gegen den Lehrkräftemangel

Möglichkeit auf Teilzeitarbeit erhalten
Die Wichtigkeit der Teilzeitarbeit als bedeutenden Attraktivitätsfaktor für den Lehrkräfteberuf, der bei der Einschränkung von Teilzeitarbeit wegfallen und somit das Nachwuchskräfteproblem weiter
verschärfen würde. Maßnahmen, die eine Mehrbelastung für Lehrkräfte darstellen, betrachten wir als problematisch. Damit eine effektive Lösung erzielt werden kann, muss eine Balance zwischen kurz- und mittelfristigen Maßnahmen, aber auch langfristige Maßnahmen, wie die Förderung einer
verstärkten Ausbildung von Lehrkräften, gefunden werden.

Anreize, um pensionierte Lehrkräfte zurückzuholen
Es sollen Anreize geschaffen werden, die ältere Lehrkräfte motivieren sollen, aus dem Ruhestand
zurückzukehren, um in Hausaufgabenbetreuungen, Vertretungsstunden oder Nachhilfestunden
eingesetzt werden. Diese Maßnahmen würden einen Beitrag dazu leisten, den Bedarf an Lehrkräften kurzfristig zu überbrücken. Auf lange Sicht ist es jedoch weit wichtiger, den Lehrberuf attraktiver zu
gestalten.

Keine Erhöhung der Klassenstärken
Eine Erhöhung der Maximalgröße in Klassen ist eine Maßnahme, die viele negative Folgen mit sich
zieht. Gerade aus pädagogischer Sicht ist diese Maßnahme nicht vertretbar, da viele Lernende
individuelle Betreuung brauchen. Zudem würden Lehrkräfte weiter belastet und der Leistungsdruck
auf Lernende vergrößert werden.

Erleichterte Einstellung von Personal
Anreize zur befristeten Beschäftigung an anderen Schulen, wo Personalnot herrscht und ein
zusätzlicher Einsatz von nicht-pädagogischem Personal in Verwaltung, IT oder Bibliotheken werden
als sinnvoll erachtet, zusätzlich könnten Länder verschiedene Programme initiieren, um Personal für
den Verwaltungsbereich zu finden. Auch schulintern können Lernende bei technischen Fragen
aushelfen. Zusätzlich sollte der Quereinstieg in den Lehrberuf erleichtert werden.

Hybrid-Unterricht in der Oberstufe
Wir erachten Hybridunterricht, wie er bisher durchgeführt wurde, als keine vergleichbare Alternative zum Präsenzunterricht. Die Pandemie hat gezeigt, dass Lernende Präsenzunterricht benötigen. Auch an einer nicht ausreichenden Digitalisierung beziehungsweise mangelnden Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien von Seiten der Lehrkräfte, die dafür nötig wären, könnte Hybrid-Unterricht scheitern. Zudem könnten Ministerien diese Maßnahme generell als Möglichkeit sehen, Lehrpersonal einzusparen – was wir aus pädagogischer Sicht als nicht vertretbar erachten.

Fokus auf pädagogische Arbeit und multiprofessionelle Teams
Lehrkräfte sollten sowohl im Unterricht wie auch außerhalb des Unterrichts von multiprofessionellen Teams unterstützt werden. Diese Teams sollten nach Bedarf aus Schulsozialarbeitenden, Schulverwaltungskräfte, Sonderpädagogen oder IT-Fachpersonen bestehen. So können sich Lehrkräfte auf qualitativ hochwertigen Unterricht konzentrieren, während andere Aufgaben von dazu ausgebildeten Fachkräften erledigt werden.

Unterricht grundlegend neu denken

Berufsorientierung inner- und außerhalb von Schulen
Berufliche Bildung und Berufsorientierung stellen das Fundament des weiteren Lebenswegs nach
dem Schulbesuch dar. Lernende aller Schularten in Deutschland sollten obligatorisch an
verschiedenste Berufsfelder herangeführt werden. Daher ist es wichtig, verpflichtende Praktika für
Lernende in unterschiedlichen Ausführungen durchzuführen.
Wir empfehlen mindestens zwei verpflichtende 3-wöchige Praktika. Lernenden soll es des Weiteren
ermöglicht werden, weiter Praktika freiwillig zu absolvieren. Praktika zur Berufsorientierung sollen
von ihrer Ausrichtungsart im Rahmen des Jugendschutzes, sowie im Einvernehmen mit den
Erziehungsberechtigten nicht beschränkt sein. Der Bund soll allen Betrieben, die Praktika anbieten,
finanzielle Aufwandsentschädigungen leisten. Schulen sollen Berufsberatende der Bundesagentur
für Arbeit zugeordnet werden. Außerdem sollen Lehrkräfte Fortbildungen zum Thema Berufsberatung
erhalten, um Lernende darüber aufklären zu können.
Jedes Jahr sollen Lernende ab der 9. Klasse mit entweder Berufsberatenden der Bundesagentur für
Arbeit oder berufsbildenden Lehrkräften ein 20-minütiges individuelles Beratungsgespräch führen.
Dabei sollen Stärken, Talente und Interessen evaluiert und mögliche Berufswege aufgezeigt werden.
Einmal im Jahr soll ein längeres berufsberatendes Gespräch auch im Klassenverbund stattfinden.
Des Weiteren sollen Lernende keine Fehlstunden oder andere Benachteiligungen dafür erhalten
dürfen, wenn sie Berufsinformationsveranstaltungen besuchen.
In der Schule selbst soll eine Vor- und Nachbereitung sowie eine Evaluation der jeweiligen Praktika
stattfinden. Lernende sollten die Gelegenheit zum Austausch der gesammelten Erfahrungen
bekommen, um voneinander profitieren und lernen zu können. Somit können sie als Multiplikatoren
den Eindruck und die damit einhergehenden Kenntnisse über unterschiedliche Berufe und
Berufsfelder untereinander austauschen und die Durchführung von Praktika nachhaltig gestalten.


Beziehungen zu Akteuren der beruflichen Bildung stärken
Um eine praxisnahe Berufsorientierung sicherzustellen, soll es regelmäßige und auf die Bedürfnisse
der jeweiligen Schule angepasste Vernetzungstreffen zwischen Vertretern aus der
Schulgemeinschaft und Vertretern der regionalen und überregionalen Wirtschaft, sowie weiteren
Akteuren des gesamten Feldes der Beruflichen Orientierung geben.

An weiterführenden Schulen in Deutschland sollte eine Funktionsstelle eines Koordinators für
Berufliche Orientierung etabliert werden. Diese sollte den Lernenden die Möglichkeit geben,
individuelle Gespräche zu führen, um auf die einzelnen Interessen und Anliegen dieser einzugehen
und sie bedürfnisbezogen zu beraten.


Schulart- und fächerübergreifende Berufsorientierung fördern
Es soll eine verstärkte Implementierung von Praktika mit Ausbildungsbezug an weiterführenden
Schulen mit dem Ziel des allgemeinen Hochschulabschlusses geben. Dies muss schon in der
anfänglichen Schullaufbahn der weiterführenden Schulen, spätestens jedoch in der Sekundarstufe II stattfinden, sodass sich die Lernenden schon frühzeitig einen Überblick über Ausbildungsberufe und akademische Berufe verschaffen können. Zugleich müssen jedoch auch Lernende von
weiterführenden Schulen, die die allgemeine Hochschulreife nicht anstreben, neben
Ausbildungsberufen, ebenfalls über die Erfahrungen und Perspektiven von akademischen Berufen
unterrichtet werden. Somit kann Berufliche Orientierung unabhängig vom Schulabschluss praktiziert und gelebt werden und die Bedeutung der Ausbildungsberufe wieder eine größere Wichtigkeit erlangen.
Neben den schulartübergreifenden Angeboten zur beruflichen Orientierung muss auch ein vielfältiges Spektrum für schulische Praktika zur Verfügung stehen. Lernende sollen einen breitgefächerten und weitreichenden Einblick in die berufliche Praxis erlangen, um anhand der gesammelten Erfahrungen eine Entscheidung für den Lebensweg nach dem Abschluss treffen zu können. Lernende an Deutschlands Schulen benötigen mehr Aufklärungsarbeit von entsprechenden Koordinatoren für berufliche Orientierung. Alle Schulen jeglicher Schulformen müssen den Lernenden Möglichkeiten für eine breitgefächerte Berufsorientierung bieten, damit sie bereits in der Schule über die Perspektiven ihres späteren beruflichen Werdegangs erfahren und lernen können.
Außerdem sollen Lehrkräfte Fortbildungen zum Thema Berufsberatung erhalten, um Lernende
darüber aufklären zu können. Um den Übergang von Schule ins Berufsleben besser zu gestalten, ist
die Berufsberatung und -bildung eine zentrale Aufgabe innerhalb der Schule. Dabei sollen
verschiedene Berufsbilder der Schülerschaft vermittelt werden, damit diese bestmöglich auf das
Berufsleben vorbereitet.

Stärkerer Fokus auf mentale Gesundheit

Stress reduzieren, Resilienz fördern
Probleme mit Blick auf mentale Gesundheit sowie psychische Krankheiten wurden besonders durch
die Corona-Pandemie in den gesellschaftlichen Mittelpunkt gerückt. Seit Langem ist hiervon auch der Raum Schule betroffen. Hier leiden Jugendliche schon im jungen Alter unter starkem Leistungsdruck, sozialen Spannungen und daraus resultierendem Stress. Jugendliche werden dabei aktiv daran gehindert, ihre bestmöglichen Leistungen zu erreichen. Folgen von Stress sind dabei nicht selten Unzufriedenheit und eine Abneigung gegenüber der Schule. Ziel ist jedoch der Anspruch, die Lernenden zur bestmöglichen Nutzung ihres individuellen Potenzials zu ermutigen, ohne sie übermäßigem Stress und Leistungsdruck auszusetzen. Stressprävention und Stressmanagement an Schulen müssen dabei schon früh den Lernenden nähergebracht werden und auch in der Gestaltung des Schulalltags elementarer Bestandteil sein. Für die Vermeidung von Stress müssen die Aufgaben der Lernenden angepasst werden, um insbesondere den Leistungsdruck zu minimieren. Die individuelle Förderung der Lernenden nach eigenem Bedarf und die Gleichbehandlung aller Lernenden unabhängig der erbrachten Leistungen ist dabei ein Muss. Besonders die soziale Ausgrenzung von Lernenden muss durch die Institution Schule aktiv verhindert werden. Die hierfür benötigten Mittel sollen vom Bund gestellt und finanziert werden.


Schulpsychologie unerlässlich stärken
Die Schulpsychologie muss weiter institutionalisiert und neue Stellen dafür geschaffen werden. Im
Hinblick auf den Fachkräftemangel in diesem Bereich soll dieser Beruf attraktiver gemacht werden,
indem höhere Löhne bezahlt, bürokratische Hürden gesenkt und Psychologiestudierende auf den
Beruf aufmerksam gemacht werden.

Gemeinsam für die Zukunft der Bildung

Bundesweit gerechte Vereinheitlichung von Abschlüssen
Deutschland hat durch seinen Bildungsföderalismus eine Sonderstellung. Er sorgt für Unterschiede
in den Bildungssystemen des Bundes, welche die notwendige Möglichkeit der stetigen Entwicklung
mit sich bringen. Jede Schulform muss sich immer wieder an ihr, sich veränderndes Umfeld
anpassen. Auf welche Schulformen die Bundesländer setzen und wie sie diese im stetigen Wandel
ausgestalten, muss die Kompetenz der verschiedenen Länder selbst sein. Aus unserer Sicht muss
diese Möglichkeit dafür genutzt werden, um in jeder Region die optimale Schulform mit möglichst
zielgerichteter Förderung zu gewährleisten.
Wir erkennen aber auch Probleme des Bildungsföderalismus wie etwa mangelnde Vergleichbarkeit
an und fordern eine stärkere Kooperation zwischen den Bundesländern sowie eine Aufhebung des
grundsätzlichen Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern.


Reform für angemessene Bildungsfinanzierung
Bildung ist ein grundlegender Pfeiler einer starken demokratischen Gesellschaft. Daher ist eine
Investition in Bildung zwangsläufig eine Investition in einen starken demokratischen Staat. Ein gutes
Bildungssystem ist die Grundlage dafür, dass Lernende selbstständig und mündig erzogen werden.
Damit es nicht bereits an der Ressourcenfrage scheitert, erachten wir eine Reform der Bund-Länder- Finanzbeziehungen in Bildungsfragen als unabdingbar. Die Verteilung der Steuereinnahmen (und deren rechtliche Grundlagen) müssen zu Gunsten der Länder verändert werden, um die Investitionen in Bildung nachhaltig und dauerhaft zu stärken und allen Lernende gute Bildung zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen die Länder dann in ihren Haushalten einen höheren Stellenwert auf Bildung legen.


Förderprogramm für Schulsanierungen
Viele deutsche Schulen sind in einem maroden baulichen Zustand und müssen dringend saniert oder gar neu gebaut werden. Dafür müssen finanzielle Mittel des Bundes bereitgestellt werden. Wir fordern deswegen ein entsprechendes Förderprogramm von 10 Milliarden Euro für Schulsanierung, und zwar ohne Bedingungen und ohne kommunalen Anteil. Man beziffert den Sanierungsbedarf auf ca. 50 Milliarden € im Schulbereich, das Programm wäre also für die bedürftigsten 20 % bestimmt. Der Lernerfolg wird durch den schlechten baulichen Zustand einer Schule nachweislich beeinträchtigt.

Fazit

Für uns ist klar: Bildung ist Zukunft. Gute Bildungspolitik ist daher die effektivste Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik. Wir müssen bei Digitalisierung und Lebensvorbereitung massiv aufholen, ausreichend Geld ein- und Stellen besetzen, Pädagogik und Staat für die Zukunft reformieren; wir brauchen eine umfassende Bildungswende. Jetzt.

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Veränderungen im Bsek

Das neu formierte Kabinett der Bundesschülerkonferenz besteht nun aus folgenden Mitgliedern: Louisa Basner, die weiterhin als Generalsekretärin fungiert, Hasan Aljomaa, der die Aufgaben des Finanzkoordinators wahrnimmt, Bea Giese als Pressekoordinatorin und Charlotte Hüther als Innenkoordinatorin.

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Digitalpakt 2.0

Um eine nachhaltige Digitalisierung zu ermöglichen und ein Lernumfeld zu schaffen, in dem Schülerinnen gerne lernen, brauchen wir moderne und zukunftsfähige Schulgebäude mit einer angemessenen Breite an digitalen Mitteln. Es muss mehr finanzielle Mittel für die Instandsetzung von Klassenzimmern und Lernorten sowie für die Bereitstellung von WLAN und Lademöglichkeiten der Geräte geben.

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Teenager von Jahr zu Jahr belasteter

Die Bundesschülerkonferenz setzt sich für den Ausbau der Schulsozialarbeit ein. Es müssen bundesweite Programme etabliert werden, die Schülerinnen und Schülern flächendeckend bei mentalen Herausforderungen unterstützen.

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