Wo Bildung endet, beginnt Extremismus – Die Bundesschüler*innenkonferenz fordert Reform des Unterrichts!

Wo Bildung endet, beginnt Extremismus

Die Bundesschülerkonferenz fordert Reform des Unterrichts!

Hakenkreuze, Hitlergrüße und Hetzparolen – was wie aus längst vergangenen Zeiten klingt, ist für viele Schüler*innen in Deutschland trauriger Alltag geworden. Rechtsextreme Vorfälle nehmen zu – und das nicht irgendwo, sondern direkt in unseren Klassenzimmern. Laut einer Auswertung des Stern stiegen die Fälle in Sachsen-Anhalt um erschreckende 150 %, in anderen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern ebenfalls deutlich. Brandenburg meldete im Jahr 2024 sogar 336 rechtsextreme Taten an Schulen – ein trauriger Höchstwert!
Diese Entwicklung darf nicht einfach hingenommen werden. Die Schule muss ein sicherer Ort der Aufklärung, des demokratischen Lernens und der aktiven Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart sein. Als Bundesschülerkonferenz sagen wir deswegen klar: Wir schauen nicht weg. Wir fordern entschlossenes politisches Handeln, echte Aufklärung und eine Schule, die sich gegen jede Form von Hass und Menschenfeindlichkeit stellt.

Bildung als Schutzschild gegen Extremismus

Unser Geschichtsunterricht allein reicht nicht mehr aus. Es braucht mehr als Jahreszahlen und Lehrbuchwissen – es braucht Erleben, Begreifen, Mitfühlen. Deshalb fordern wir mindestens einen verpflichtenden Besuch einer KZ- Gedenkstätte während der weiterführenden Schulzeit. Erinnern darf keine Option sein, sondern unsere gemeinsame Pflicht!
Aufklärung über heutigen Rechtsextremismus muss früh beginnen und in allen Schulformen gleichermaßen verankert werden. Neben der historischen Perspektive müssen Schüler*innen lernen, Parallelen zu aktuellen Entwicklungen selbst zu erkennen, beispielsweise im Rahmen von Projekttagen.

Demokratie lernen – nicht nur lehren

Demokratiebildung darf nicht an Stundenplänen scheitern. Sie lebt davon, dass wir sie üben – jeden Tag, in jeder Klasse. Politische Bildung muss deshalb fächerübergreifend gestärkt werden. Fächer wie Politik oder Sozialkunde dürfen nicht ins Abseits gedrängt werden – sie müssen ausgebaut, aufgewertet und auch in der Oberstufe verpflichtend angeboten werden.
Schüler*innen müssen lernen, zu streiten – sachlich, respektvoll, mit Haltung. Lehrkräfte sind dabei zentrale Begleiter*innen. Sie brauchen Zeit, Weiterbildungen und Unterstützung, um als Mentor*innen ein Umfeld für offene, faktenbasierte und quellenkritische Diskussionen zu schaffen. Dafür fordern wir gezielte Fortbildungsangebote – insbesondere im Umgang mit extremistischem Gedankengut und Radikalisierungstendenzen bei Jugendlichen.

Schulsozialarbeit und Projekte fördern – dauerhaft und bundesweit

Wir wissen: Wo Ausgrenzung, Einsamkeit und Perspektivlosigkeit herrschen, wächst Radikalisierung. Deshalb muss die Schulsozialarbeit in Deutschland dringend ausgebaut werden. Wir brauchen mehr Menschen an Schulen, die zuhören, erkennen, eingreifen. Initiativen wie „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ oder „Demokratie leben“ sind dabei unerlässlich – aber sie brauchen Sicherheit. Ihre Finanzierung darf nicht vom Engagement Einzelner abhängen – deshalb fordern wir, dass der Bund diese Projekte dauerhaft fördert und die Mittel für demokratiestärkende Programme im Bundeshaushalt erhöht.
Darüber hinaus brauchen wir mehr Programme, die Chancengleichheit schaffen, Resilienz fördern und Einsamkeitserfahrungen abbauen – denn soziale Ausgrenzung ist ein Nährboden für Extremismus.

Vielfalt leben – statt Angst schüren

Wir glauben an die Kraft der Begegnung. Wer andere Kulturen erlebt, wer Unterschiede nicht fürchtet, sondern versteht, wird sich nicht von Hetze verführen lassen. Deshalb setzen wir uns für mehr Austauschprojekte, Auslandsschulpartnerschaften und interkulturelle Initiativen ein. Vielfalt ist kein Problem. Sie ist unsere Stärke.

Unser Appell: Nicht später, sondern jetzt!

 

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