Gemeinsames Statement der Landesschülervertretungen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zum logo!-Interviewformat

Vorbemerkung der Bundesschüler*innenkonferenz

Wir als Bundesschüler*innenkonferenz (BSK) sind der Zusammenschluss von 15
Landesschüler*innenvertretungen der deutschen Bundesländer. Als Dachverband bekommen
wir von unseren Mitgliedern Unterstützung im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Bei Themen, die unsere Mitglieder betreffen, unterstützen wir. Die Vorkommnisse
zwischen den Landesvertretungen und dem ZDF haben uns somit auch berührt und dazu
bewegt, dieses Statement mitzutragen, auch wenn die Betroffenen natürlich die
Landesvertretungen sind.

Gemeinsames Statement der Landesschülervertretungen Mecklenburg-
Vorpommern und Sachsen-Anhalt zum logo!-Interviewformat

Der Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommern hat eine Einladung des ZDF abgelehnt, im
Rahmen der „logo!“-Kindernachrichten ein Interview mit dem Landesvorsitzenden der AfD
Mecklenburg-Vorpommern, Enrico Schult, zu führen. Grundlage war dasselbe Konzept, das
vergangene Woche beim Interview der ehemaligen sachsen-anhaltischen
Landesschülersprecherin Lucienne Balke mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund
bundesweit für Diskussionen gesorgt hat.

Wir stehen an dieser Stelle ausdrücklich an der Seite von Lucienne Balke. Sie hat sich in gutem
Glauben auf ein Format eingelassen, für dessen strukturelle Schwächen sie nicht
verantwortlich ist. Die Kritik der vergangenen Tage darf sich nicht an einer einzelnen
ehemaligen Schülervertreterin festmachen, sondern muss sich an das Format selbst richten.

Warum wir das Interview nicht führen werden

Für Dienstag, den 08.09., war im selben Format wie beim Interview mit Ulrich Siegmund ein
Gespräch mit dem Landesvorsitzenden der AfD Mecklenburg-Vorpommern, Enrico Schult,
vorgesehen. Nach Prüfung der dafür vorgesehenen Bedingungen haben wir dem ZDF eine
Reihe von Mindestvoraussetzungen genannt, die aus unserer Sicht notwendig sind, damit ein
solches Interview seiner Verantwortung gegenüber jungen Zuschauer*innen gerecht wird.
Dazu gehören eigene Fragen, ausreichende Vorabinformation zu den zu erwartenden
Positionen, professionelle medienpraktische Vorbereitung sowie eine Möglichkeit zur
Einordnung strittiger Aussagen. Denn ohne diese Möglichkeit zur Richtigstellung hätte eine in
Teilen gesichert rechtsextreme Partei am Dienstag, den 08.09., unwidersprochen ihre Positionen verbreiten können, ohne dass wir das im Interview selbst hätten einordnen oder
korrigieren können. Das hätte im Ergebnis verharmlost, wofür diese Partei steht, und das
können wir nicht verantworten.
Diese Bedingungen können seitens des ZDF bis zur gesetzten Frist nicht umgesetzt werden.
Deshalb wird das Interview in der geplanten Form nicht stattfinden.

Das ist kein Rückzug aus Bequemlichkeit. Wir weichen der Auseinandersetzung mit
rechtsextremen Positionen nicht aus. Im Gegenteil, genau weil wir sie ernst nehmen, können
wir sie nicht in einem Format führen, das uns als Fragende auf reine Stichwortgeber reduziert,
ohne Raum für Einordnung, Rückfrage und Richtigstellung zu lassen. Ein Interviewformat, das
keine kritische Nachfrage zulässt, kehrt den Beutelsbacher Konsens in sein Gegenteil um. Statt
Kontroverses kontrovers abzubilden, verschafft es einer Seite eine unwidersprochene Bühne.
Uns geht es dabei nicht darum, Berichterstattung über AfD-Politiker*innen oder Interviews mit
ihnen grundsätzlich abzulehnen. Im Gegenteil, das gehört zu einer verantwortungsvollen
Darstellung politischer Positionen dazu. Der Unterschied liegt in der Einordnung.
Professionelles Training, verlässliche Fakteninformationen im Vorfeld und ein Faktencheck-
Team vor Ort sind keine Sonderwünsche, sondern die Mindestausstattung, damit Aussagen
direkt und live eingeordnet werden können und nicht, wie beim ersten Interview, weitgehend
unwidersprochen und nicht ausreichend eingeordnet stehen bleiben. Berichterstattung
bedeutet Einordnung, nicht Bühne ohne Widerspruch.

Kein Vorwurf an einzelne Personen

Wir haben am Sonntag, den 06.09., ein ausführliches Gespräch mit der verantwortlichen
Redaktionsleitung von „logo!“ geführt. Unser Eindruck daraus ist, dass es keine Absicht gab,
Schülervertreter*innen bewusst als Feigenblatt oder Dekoration einzusetzen. Das Format ist
an der Praxis gescheitert, nicht an bösem Willen. Genau deshalb geht es uns nicht darum, das
ZDF oder einzelne Mitarbeitende an den Pranger zu stellen, sondern darum, klarzumachen,
dass Formate mit echter journalistischer Substanz und ausreichend Vorbereitungszeit
entstehen müssen, wenn Schüler*innen als Interviewende mit Politiker*innen gesicherter oder
beobachteter rechtsextremer Parteien konfrontiert werden.

Uns ist bekannt, dass das ZDF erst nach der öffentlichen Kritik am ersten Interview
Unterstützung für Lucienne Balke angeboten hat. Das zeigt genau das Problem, auf das wir
hinweisen wollen. Unterstützung darf keine nachträgliche Reaktion auf einen Shitstorm sein,
sondern muss von vornherein Teil des Formats sein, und zwar bevor und nicht erst nachdem
eine einzelne Schülervertreterin damit allein dasteht.

Bundesweite Unterstützung

Wir führen diese Auseinandersetzung nicht allein. Die Bundesschüler*innenkonferenz (BSK),
der Dachverband von 15 Landesschüler*innenvertretungen, unterstützt unsere Position und
trägt sie mit, damit dieses Thema die mediale Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. In
diesem Zusammenhang verweisen wir auch auf die Petition „KIKA: Keine Bühne für
Rechtsextreme bei logo!“. Sie macht deutlich, dass die Frage nach dem Umgang mit
rechtsextremen Positionen im Kinder- und Jugendfernsehen viele Menschen bewegt. Es geht
dabei nicht um einen Konflikt zwischen Schüler*innen und ZDF, sondern um eine Debatte
darüber, wie politische Positionen im öffentlich-rechtlichen Kinderfernsehen
verantwortungsvoll dargestellt werden können.

Unser Angebot

Wir sind weiterhin gesprächsbereit. Wenn das ZDF ein Format entwickelt, das
Schülervertreter*innen tatsächlich in die Lage versetzt, kritisch, informiert und ohne Angst vor
einer öffentlichen Reaktion aufzutreten, stehen wir für kritische Gespräche mit Vertreter*innen
kontroverser politischer Positionen zur Verfügung. Bis dahin gilt, dass wir nicht aus Angst
schweigen. Wir stellen Bedingungen aus Verantwortung.

Pressemitteilung als PDF

 

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