Bundesschüler*innenkonferenz fordert mehr Bildungsgerechtigkeit und gleiche Teilhabe für alle Kinder und Jugendliche
Berlin, 21.September 2026 – Zum gestrigen Weltkindertag macht die Bundes-schüler*innenkonferenz (BSK) auf eine Frage aufmerksam, die Schüler*innen jeden Tag betrifft: Wie gerecht ist unser Bildungssystem?
Eigentlich sollte es selbstverständlich sein: Unabhängig davon, wo ein Kind aufwächst, wie viel Geld die Eltern verdienen oder welchen Bildungsabschluss sie haben, sollte jedes Kind die gleichen Chancen auf gute Bildung und gesellschaftliche Teilhabe haben. Die Realität zeigt jedoch, dass diese Voraussetzungen in Deutschland noch immer nicht für alle gegeben sind.
Wie unterschiedlich die Voraussetzungen für Kinder und Jugendliche noch immer sind, zeigen auch die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2024, die 2025 veröffentlicht wurden. In Mathematik und den Naturwissenschaften erreichen Schüler*innen seltener die Bildungsstandards als bei früheren Erhebungen. Besonders deutlich wird das in Mathematik: Rund 34 Prozent der Neuntklässler*innen erreichen nicht den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss. Gleichzeitig hängt Bildungserfolg weiterhin stark mit der sozialen Herkunft zusammen. Hinter diesen Zahlen stehen Schüler*innen, die jeden Tag in unseren Schulen sitzen. Sie alle sollten die gleiche Chance bekommen, ihre Stärken zu entdecken und ihren eigenen Weg zu gehen unabhängig davon, wie viel Geld ihre Familie hat oder woher sie kommen.
„Es darf nicht davon abhängen, wie viel Geld die Eltern verdienen, welche Möglichkeiten ein Kind in der Schule bekommt. Bildung darf keine Frage des Elternhauses sein“, sagt Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschüler*innenkonferenz.
Für die BSK bedeutet Bildungsgerechtigkeit deshalb auch, dass Schule tatsächlich für alle zugänglich und finanzierbar sein muss. Kein Kind sollte sich Gedanken darüber machen müssen, ob die Familie Schulmaterialien, eine Klassenfahrt, das Mittagessen oder andere schulische Angebote bezahlen kann. Gerade für Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen muss Schule ein Ort sein, an dem sie Unterstützung und gute Lernbedingungen vorfinden und nicht zusätzliche Hürden.
Kinderarmut ist auch eine Bildungsfrage. Finanzielle Belastungen der Familie dürfen nicht darüber entscheiden, ob Kinder am schulischen Alltag teilnehmen können oder welche Bildungswege ihnen offenstehen. Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen, damit alle Kinder ihre Fähigkeiten entwickeln und unabhängig von ihrer familiären Situation am schulischen Leben teilhaben können.
Dabei ist Schule für uns Schüler*innen weit mehr als Unterricht. Sie ist ein Ort des gemeinsamen Lernens, der Begegnung und der Gemeinschaft. Hier entstehen Freundschaften, werden unterschiedliche Perspektiven kennengelernt und wird gesellschaftliche Teilhabe gelebt. Schule muss deshalb ein Ort sein, der alle Kinder zusammenbringt und niemanden aufgrund der finanziellen Situation der Familie ausschließt.
Auch die Schulpflicht hat in diesem Zusammenhang eine wichtige Funktion. Sie stellt sicher, dass Kinder und Jugendliche Zugang zu Bildung erhalten und Teil dieser Gemeinschaft sein können.
„Schulpflicht bedeutet für uns nicht nur, dass Kinder zur Schule gehen müssen. Sie bedeutet auch, dass jedes Kind einen festen Ort der Gemeinschaft und des gemeinsamen Lernens hat. Schule bringt Kinder zusammen und schafft Teilhabe. Deshalb muss sie für alle offen sein und darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen“, sagt Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschüler*innenkonferenz.
Am Weltkindertag sollten wir deshalb nicht nur darüber sprechen, was Kinder brauchen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie es auch bekommen. Herkunft darf nicht über Zukunft entscheiden. Bildung muss für alle da sein.


