====Positionspapier: Bildung braucht Wissenschaft - keine Meinung==== Die Herausforderung: Meinungsdebatten statt Faktenbasis Die bildungspolitische Landschaft in Deutschland ist seit Langem von einer Fülle an teils emotional geführten Meinungsdebatten geprägt, deren Entscheidungen oft von kurzfristigen politischen oder gesellschaftlichen Stimmungen beeinflusst werden. Die BSK erkennt diesen Zustand als ein wesentliches strukturelles Problem an und betont unmissverständlich: Bildung ist kein beliebiges Meinungsthema, sondern ein auf wissenschaftlicher Evidenz basierendes Themenfeld. Während Fragen wie die spezifische Gewichtung von Lehrplaninhalten, beispielsweise ob in einem bestimmten Fach eher ein praxisnahes oder ein theoretisches, dafür aber spannenderes Thema unterrichtet werden soll, legitime gesellschaftliche und politische Diskussionspunkte darstellen, sind die Grundlagen der Bildung keine Frage persönlicher Präferenz, sondern von wissenschaftlichen Fakten. Die Wirksamkeit von Notensystemen, die optimale Schul(raum)gestaltung, die Effizienz von Lehrmethoden, ideale Maßnahmen zur Inklusion oder die Struktur der Lehrerprofessionalisierung müssen auf empirischer Pädagogik und Psychologie fußen und nicht auf bloßen Annahmen und Meinungen. \\ \\ Unsere Forderung:\\ \\ Transparenz, Forschung und Verbindlichkeit Um die Qualität der Bildung in Deutschland nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln, fordert die BSK eine radikale Neuausrichtung hin zur Evidenzbasierung und zur Messbarkeit. \\ \\ Maximale Datenerhebung und Internationale Teilhabe mit klarem Zeitplan Wir fordern die verbindliche und lückenlose Teilnahme Deutschlands an sämtlichen relevanten, teils internationalen Vergleichsstudien. Dazu gehören PISA, TALIS, ICILS, TIMSS, IGLU/PIRLS, ICCS, PIAAC, HBSC, der IQB-Bildungstrend, das Deutsche Schulbarometer und EUROSTUDENT. Wenngleich die Bundesrepublik bereits an einigen dieser Studien teilnimmt, so fordern wir die Sicherung und Ausweitung der Teilnahme, beispielsweise auf ICILS SSS, PISA FLA, PISA Berufsorientierung oder TIMSS Advanced oder bei TALIS. schlechten Ergebnissen vom Wettbewerb oder der Datenerhebung fernhalten. Nur die volle Transparenz über den Ist-Zustand, die Stärken und vor allem die Schwächen unseres Systems, ermöglicht eine gezielte Verbesserung. Dabei soll auch auf schulinterne Datenerhebung geachtet werden. Weiter fordern wir auch die Förderung von Studien zur Erfassung der Lebensqualität von Schüler*innen, wie die Studie der RBS "Deutsches Schulbarometer", sowie ähnlicher Studien in anderen Bereichen, da diese integrale Bestandteile erfolgreicher Bildung sind. Diese sollen zusätzlich einzelne Daten für alle Bundesländer enthalten. \\ \\ Zielvorgabe: Die Kultusministerkonferenz (BMK) muss bis Ende 2027 eine verbindliche Beschlussfassung erwirken, welche die gesicherte und dauerhafte Teilnahme an allen relevanten Studien für die Zeit bis 2050 garantiert. Ausbau der Bildungsforschung und gezielte Evaluation Weiter sprechen wir uns als BSK für eine deutliche Erhöhung des Budgets für empirische Bildungsforschung im Allgemeinen aus. Diese Finanzmittel sollen insbesondere den Wissenstransfer von der Forschung in die konkrete schulische Praxis (Transferforschung) fördern. Denn reines Wissen bringt Schüler*innen nichts, wenn das Wissen den Weg in die Schule nicht findet. \\ \\ Budgetforderung: Das Budget für die empirische Bildungs- und Transferforschung des Bundes soll bis 2030 auf 250 Millionen Euro jährlich angehoben werden. Diese Mittel sind explizit für die wissenschaftliche Begleitung von Reformen, die Entwicklung evidenzbasierter Unterrichtsmethoden und die tiefgehende Analyse internationaler Vergleichsstudien zu verwenden. Gleichzeitig fordern wir, dass diese Ausgaben als zusätzlich betrachtet werden, das heißt, zur Erfüllung dieser Posten darf nicht an anderen Stellen im Bildungshaushalt gespart werden. Im Anschluss an die Teilnahme an den Studien sind ausführliche, unabhängige Evaluationen durchzuführen, um die erhobenen Daten tiefgehend zu analysieren und die Ursachen für die jeweiligen Ergebnisse zu identifizieren. \\ \\ Konkrete Ziele und Zeitachsen: \\ \\ Aus den Studienergebnissen und den Evaluationen müssen anschließend konkrete, messbare und zeitlich festgelegte Ziele für die deutsche Bildungslandschaft entwickelt und deren verbindliche Umsetzung gesichert werden. Zielsetzung: Die BSK fordert, dass die deutschen Schüler*innen bis zum Jahr 2040 ihre PISA- Ergebnisse im Bereich Lesekompetenz um mindestens 20 Punkte und in den Naturwissenschaften um mindestens 15 Punkte verbessern. Zudem soll der Anteil der Risikoschüler*innen in allen Kompetenzbereichen bis 2040 um mindestens ein Drittel reduziert werden, indem die Risikofaktoren bekämpft und eliminiert werden. Weiter soll das Ziel sein, dass der Anteil an Schüler*innen, welche die Mindeststandards nicht erfüllen, auf weniger als 10% fällt. \\ \\ Zuständigkeiten und Rechenschaftspflicht \\ \\ Die Umsetzung dieser Evidenz-Strategie erfordert eine klare Zuweisung von Verantwortung zwischen Bund, Ländern und der Wissenschaft, wofür die BSK folgende klare Forderungen stellt:\\ \\ Forderung an den Bund (BMBFSFJ): \\ \\ Der Bund ist in der Pflicht, die finanzielle und strategische Grundlage für eine evidenzbasierte Bildungspolitik zu schaffen. Wir fordern die finanzielle Sicherstellung des Forschungsbudgets von 250 Millionen Euro jährlich ab 2030, die strategische Steuerung der Großprojekte der Bildungsforschung und die internationale Koordination der Studienteilnahme. \\ \\ Forderung an die Länder (BMK): \\ \\ Die Länder tragen die Verantwortung für die tatsächliche Umsetzung der Reformen im Schulsystem. Wir fordern die verbindliche Umsetzung der KMK- Beschlüsse zur Studienteilnahme und zur Zielerreichung sowie die Entwicklung landesspezifischer Transferprogramme, um die wissenschaftlichen Ergebnisse schnellstmöglich und flächendeckend in die Lehreraus- und -weiterbildung zu integrieren. \\ Forderung an die Wissenschaft: Die Wissenschaft muss ihre Rolle als unabhängiger Evaluator wahrnehmen. Wir fordern die Durchführung der unabhängigen Evaluationen und die Entwicklung evidenzbasierter Reformvorschläge frei von politischer Einflussnahme, um eine neutrale Analyse zu gewährleisten. Die Einhaltung der formulierten Ziele und die Umsetzung der wissenschaftlich fundierten Maßnahmen müssen periodisch von einem unabhängigen Expertengremium überprüft werden, um die Rechenschaftspflicht gegenüber Schülern, Eltern und der Öffentlichkeit zu gewährleisten. \\ \\ Internationale/Europäische Perspektive \\ \\ Darüber hinaus soll sich Deutschland auf europäischer Ebene sowie auf Ebene der UN nachdrücklich dafür einsetzen, dass mehr solcher Vergleichsstudien und Tests entwickelt und durchgeführt werden. Auch für eine Kofinanzierung jener Tests auf EU- Ebene soll sich Deutschland stark machen. Nur durch eine breitere, international verankerte, wissenschaftliche Grundlage kann die Schul- und Bildungsqualität in Deutschland und Europa bestmöglich und evidenzbasiert weiterentwickelt werden.\\ \\